Im Schnee / In de sneeuw #3

Rosko

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2 Kommentare zu „Im Schnee / In de sneeuw #3

  1. Hallo Lisa,
    ich habe in einem alten Buch von 1831 eine schöne Ballade von Johann Martin Usteri (schweizer Dichter) gefunden. Ich glaube sie wird dir gefallen.
    Ich habe sie schon Jule als Kommentar gepostet.

    Der treue Hund.

    Ernst sprach der Wirth zum edeln Gast :
    »Ihr dürft nicht weiter eilen,
    »Noch tobt des Fönwinds Heulen,
    »Der wild in dem Gebirge ras’t,
    »Und Scheeslasten thürmet,
    »Und donnernd niederstürmet. «

    Und ängstlich horcht er in die Nacht
    Hinaus, und auf die Kniee
    Sinkt er : »Jesus Marie !
    »Wie’s in den Klüften tos’t und kracht !
    »Hört ihr das dumpfe Hallen ?
    »Gott, die Lawinen fallen ! «

    Doch Brandenberg stand auf und sprach :
    »Mich binden Wort und Ehre,
    »Daß heut‘ ich wiederkehre !
    »Glaubst du, es sich’re mich dein Dach ?
    »Will Gott mein Leben enden,
    »Steht’s hier in seinen Händen.

    »Wohlauf, mein treuer Knapp‘, wohlauf,
    »Mein Fido ! euer Zittern
    »Wird nimmer mich erschüttern :
    »Gefahr hebt keine Pflichten auf !
    »Uns leuchten Schnee und Sterne,
    »Hinaus, das Ziel ist ferne ! «

    Der Ritter schied ; der fromme Wirth
    Blieb bang am Feuer sitzend,
    Und bethete, daß schützend
    Der Engel, der die Pilger führt,
    Zur sichern Thalesweite
    Den Rittersmann geleite.

    Und sieh ! der Morgen graut herauf,
    Er legt sich müde nieder :
    Da weckt ihn plötzlich wieder
    Ein Winseln aus dem Schlummer auf,
    Und ängstliches Gebelle
    Schallt an des Hauses Schwelle.

    Er öffnet : zitternd stürzt der Hund
    Des Ritters in das Zimmer ;
    Sein klagendes Gewimmer
    Thut eine böse Mähre kund ;
    Es eilt der Wirth, voll Schrecken,
    Gesind‘ und Weib zu wecken.

    »Wacht auf ! ein Unglück ist gescheh’n !
    »Ach, ohne seinen Herren,
    »Ist Fido da ; mit Zerren
    »Und Winseln will er Hülf‘ erfleh’n :
    »Auf, laßt uns eilig gehen,
    »Ein Unglück ist geschehen ! «

    Voraus der Hund : er läuft, und kehrt,
    Sie stets zur Eile mahnend ;
    Sie finden, was sie ahnend
    Geseh’n : die Laue ! – wild verheert
    Die Straße ; Mann und Knabe
    Bedeckt im grausen Grabe !

    Und winselnd scharrt der Hund auf’s neu‘,
    Und kratzt mit wunden Füßen
    In Schnee und Eis ; es fließen
    Der Rührung Thränen seiner Treu :
    Man gräbt und gräbt – und – Freude !
    Gerettet sind sie beide !

    Da drückt an’s Herz mit nassem Blick
    Der Ritter den Befreier :
    »Du Guter, Lieber, Treuer !
    »Du führst mich aus dem Grab zurück !
    »Dich lohn‘ die treuste Pflege,
    »Bis ich zur Ruh mich lege. «

    In Oswalds Kirche zeigt ein Schild
    Des Ritters Grab ; man stellte
    Ein Denkmahl auf, gesellte
    Zu seinem auch des Retters Bild,
    Daß man den Fido ehre,
    Und Treu‘ die Menschen lehre.

    Johann Martin Usteri (1763 – 1827)
    Aus Dichtungen in Versen und Prosa
    von Johann Martin Usteri, Band I, 1831.
    »Balladen «

    Schönes Wochenende und viele Grüße 🙂

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